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Die Vorzeichen vor der heutigen Partie waren klar: Vier
Oberliga-Begegnungen hatte die erste Mannschaft der Blau-Schwarzen bis dato
gegen die Gäste um den Ex-Waldhöfer
Frank Schmidt absolviert und hieraus die stolze Anzahl von insgesamt
null Punkten erwirtschaftet. Wollte man also nach dem peinlichen Auftritt im
Derby gegen den VfR Mannheim heute die Heimserie ausbauen und zudem endlich
einmal den Rückstand zur Spitzengruppe der Oberliga verringern, mussten
unbedingt drei Punkte her.
Zumindest was die Aufstellung betrifft, hatte Waldhof-Coach
Steffen Menze zur Attacke geblasen, den
in der Startformation befanden sich mit Sascha
Ropic, Georgi Donkov sowie
Sebastian Göbig gleich drei Spitzen. Neu im
Kader befand sich zudem Alessandro da Silva,
der nach erneut monatelanger Verletzungspause zu seinem siebten Einsatz seit
August 2005(!) kam und im Mittelfeld für Impulse nach vorne sorgen sollte.
Für ihn rückte Christian Schilling ins
rechte Mittelfeld.
Nur wenige Sekunden waren gespielt, das zeigten die als
Tabellenführer angereisten Gäste, dass sie auch diesmal auf drei Punkte im
Carl-Benz-Stadion aus waren. Die kollektiv im Tiefschlaf befindliche Abwehr
der Blau-Schwarzen ließ nach einem langen Ball in den Strafraum
Mauro Macchia völlig ungehindert an
den Ball kommen und dessen anschließender Heber über den herauseilenden
Christopher Gäng konnte der zurückgeeilte
Bernd Eigner soeben gerade noch von der Linie
befördern und zur Ecke klären. Warum einige Herren in Blau-Schwarz in einem
Spitzenspiel jedoch derart schlafmützig und unkonzentriert aus der Kabine
kommen, muss man als Fan wohl nicht verstehen.
Immerhin zeigten die Blau-Schwarzen im
Anschluss daran, dass sie durchaus gewillt waren, die nicht gerade
erfolgreichen letzten beiden Begegnungen vergessen zu machen und starteten
nun ihrerseits die ersten Gehversuche in Richtung Strafraum des HSB. Sechs
Minuten waren dann absolviert, da hätte es beinahe im Kasten der Gäste
eingeschlagen. Nach einem Zuspiel des erneut äußerst fleißigen und ungemein
lauffreudigen Georgi Donkov befördert
Sascha Ropic den Ball in die Mitte und dort
fälscht ihn der Heidenheimer Gmünder an den eigenen Torpfosten ab.
Auch in der Folgezeit bemühten sich
der SV Waldhof, stellenweise spielerisch und technisch sogar äußerst
ansehnlich, zwar das Offensivspiel zu forcieren, jedoch kam die Menze-Truppe
zu keiner klaren Torchance, da entweder der letzte Pass in die Spitze nicht
ankam, der Ball leichtfertig am Strafraum vertändelt oder aber im Abschluss
viel zu lange gezögert wurde. Auf der Gegenseite blieben die Gäste mit ihren
schnell vorgetragenen Kontern gegen eine unsicher und wackelig wirkende
SVW-Defensive jedoch immer gefährlich und kamen in der 20. Spielminute zur
nicht unverdienten Führung. Nach einem erneut missglückten Angriffsversuch
des SVW überlistet der Heidenheimer Seskir die viel zu weit aufgerückte
Abwehrkette mit einem langen Ball auf die rechte Seite, von dort befördert
Bagceci das Leder in die Mitte, wo dann der völlig freistehende Mauro
Macchia keinerlei Mühe hatte, per Flachschuss aus ca. 10 Metern zu
vollstrecken.
Von da an war es dann leider völlig
vorbei mit der blau-schwarzen Herrlichkeit, denn nun lief, bis auf unzählige
Fehlpässe und Missverständnisse, so gut wie gar nichts mehr in Richtung
Gäste-Tor, so dass einem die drei Spitzen, die sich viel bewegten, jedoch
vergebens auf irgendwelche vernünftigen und verwertbaren Zuspiele warteten,
fast schon leid tun konnten. Ganz anders die Gäste, die sich nun,
verständlicherweise, immer mehr auf Konter beschränkten und dabei stets
brandgefährlich blieben. So hätte Seskir fünf Minuten vor der Pause
eigentlich freistehend im Strafraum das 0:2 machen müssen, doch konnte
Bernd Eigner, noch der beste Akteur in einer
indiskutablen SVW-Defensive, sich gerade noch in den Schuss werfen und den
Ball so an den Pfosten ablenken.
Anschließende
"Wir-woll'n-euch-kämpfen-sehen"-Sprechchöre und letztendlich gellende Pfiffe
und laute Unmutsbekundungen begleiteten die Herren Oberliga-Profis in
Blau-Schwarz dann anschließend bei ihrem Gang in die Kabine.
Was den Herrschaften dann dort in der
Pause an Getränken auch immer eingeflößt worden sein mag, einen
leistungsfördernden oder gar Aufwach-Effekt führte es bei den Blau-Schwarzen
leider nicht herbei, denn die kamen ebenso schlafmützig und unkonzentriert
aus den Katakomben wie bereits in Halbzeit eins.
Nur zwei Minuten waren nämlich
absolviert, da tauchte wiederum ein Heidenheimer Akteur völlig frei vor
Christopher Gäng auf, setzte das Leder jedoch
neben den linken Pfosten. Für Verwirrung sorgte dann der zeitweise unsicher
leitende Unparteiische Hipp aus Karlsruhe, der anschließend auf Strafstoß
für die Gäste entschied, da er zuvor ein Handspiel von
Daniel Bogdanovic im Strafraum gesehen
haben wollte. Eine Ansicht, mit der er zu diesem Zeitpunkt wohl völlig
alleine im Stadion dastand. Nach dem Handspiel hatte Hipp dann zunächst auf
Vorteil entschieden und die Begegnung weiterlaufen lassen, um nach erst
nach(!) der vergebenen Torchance auf Elfmeter zu entscheiden! Wie dem auch
sei: Nach einigen, natürlich sinnlosen Protesten der SVW-Akteure, war es
anschließend dann ausgerechnet Frank
Schmidt, der an alter (und damals äußerst erfolgloser) Wirkungsstätte
seine Farben mit 0:2 in Front brachte.
Nun schienen bei den Blau-Schwarzen
alle Dämme gebrochen zu sein, denn in der Folgezeit ergab sich das Team
augenscheinlich in sein Schicksal und taumelte vollkommen hilflos, ohne jede
Moral oder Motivation die Begegnung doch noch herumzureißen und offenbar nur
noch auf den "Fangschuss" der Gäste wartend, über den Platz. Daher war es
für Heidenheim ein leichtes, die Partie nun vollends an sich zu reißen und
quasi im Minutentakt zu Torchancen zu kommen. So leistete sich der an diesem
Tag völlig indisponierte Bogdanovic einen
Ballverlust der Marke "peinlich" im eigenen Strafraum und die anschließende
Flanke köpfte der Heidenheimer Bagceci freistehend aus fünf(!) Metern über
das Tor. Einzig und alleine der Heidenheimer Nachlässigkeit im Angriff
hatten es die Blau-Schwarzen in dieser Phase zu verdanken, dass der
Gegentorzähler nicht bereits bei drei oder vier Treffern ausschlug.
Dass Fans ein feines Gespür dafür
haben, ob ihre Mannschaft auf dem Platz wirklich alles gibt, oder nur
alibihaft und ohne sich auch nur im Ansatz zu verausgaben über das Grün
stolpert, bewiesen nun auch die Fans des SV Waldhof, die mit Sprechchören
wie "Wir sind Mannheimer und ihr nicht!" oder "Wir haben die Schnauze voll!"
ihren Unmut lautstark äußerten. Und dem nicht genug; Ca. 70 Minuten waren in
diesem Trauerspiel absolviert, da stürmte eine große Zahl von Fans die
Haupttribüne und versuchte zunächst, glücklicherweise erfolglos (eine
Platzsperre hätte wohl grüßen lassen!), über die Zäune auf den Rasen zu
gelangen, um dann doch auf dem Aufgang zu bleiben und von dort die genannten
Sprechchöre anzustimmen.
Dies schien die zuvor noch
chloroformiert wirkenden Herren in den blau-schwarzen Gewändern nun
zumindest etwas anzutreiben und so schafften sie in Spielminute 75 etwas,
das man ihnen an diesem Tag am wenigsten zugetraut hatte: einen Treffer!
Nach einem Freistoß des eingewechselten Hakan Atik
(er war wegen einer Rippenprellung aus dem VfR-Spiel zunächst auf der Bank
geblieben) kommt der Ball im Strafraum-Gewühl zum ebenfalls eingewechselten
Ekoto-Ekoto (jawohl, genau jener Herr, der vor
einigen Wochen noch demotiviert mit dem Fußball aufhören wollte!) und dieser
hat keine Mühe aus kurzer Distanz per Gewaltschuss zu vollstrecken.
Dies läutete sie nun endlich ein, die
Waldhöfer "Zeit des Erwachens", denn in der Folgezeit besannen sich die
Blau-Schwarzen endlich wieder einmal auf lange vermisste Tugenden wie Kampf,
Einsatzbereitschaft und Leidenschaft und wurden, nun angetrieben von den
Fans, zwei Minuten vor dem Abpfiff für ihre, zumindest kurzzeitigen Mühen,
doch noch belohnt: Einen Eckball von Alessandro
da Silva schädelte Georgi Donkov aus
kurzer Distanz zum alles in allem äußerst glücklichen Ausgleich in die
Maschen. Kurz darauf dann noch eine Gelegenheit für den stark aufspielenden
Hakan Atik, der jedoch einen Freistoß aus
aussichtsreicher Situation (linkes Strafraumeck) neben das Tor setzte,
anstatt ihn in die Mitte zu befördern.
Fazit: Ein Remis, das aus der Sicht beider
Teams aus unterschiedlichen Gründen wie eine Niederlage angesehen werden
muss. Für den SV Waldhof, weil man abermals nicht imstande war, den
Anschluss an die Tabellenspitze herzustellen und immer weiter hinter die
Tabellenführung zurückfällt und für den Heidenheimer SB, weil die Gäste die
Partie eigentlich schon nach Hause gebracht hatten und letztendlich noch den
Ausgleich hinnehmen mussten.
Was die Blau-Schwarzen anbetrifft, so muss man sich im Herbst
2006, wie schon in den letzten beiden Oberliga-Jahren zuvor zu diesem
Zeitpunkt, fragen: Quo Vadis, SV Waldhof? So wie es, zumindest derzeit,
aussieht, leider in eine fünfte und wegen der Regionalliga-Reform
anschließende sechste Saison in der Oberliga, die dann wohl das
altehrwürdige Stadion am Alsenweg erleben wird.
Für die Oberliga-Spitze jedenfalls, das hat nicht erst wieder
die heutige Partie eindrucksvoll gezeigt, ist die von Menze, Gaudino & Co.
zusammengestellte Mannschaft einfach zu schwach! Wer zuerst im Derby gegen
den VfR Mannheim und nun im heutigen Spitzenspiel gegen den Tabellenführer
zeitweise derart emotionslos und ohne jede Leidenschaft und Motivation über
den Platz stolpert, hat in der Regionalliga nichts, aber auch gar nichts
verloren!
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