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Der Dezember gilt gemeinhin als kalter und vor allen
Dingen trister Monat, in dem sogar einige Zeitgenossen zu Depressionen neigen.
Im Falle des SV Waldhof und seiner Fans hingegen, ist dies wahrlich anders! Nach
einem stellenweise hochklassigen Zweitligaspiel gewinnt der SV Waldhof gegen den
FSV Mainz 05 mit 2:1, kann so in aller Ruhe Weihnachten feiern und der
Rückrunde, zumindest was den Abstiegskampf betrifft, etwas gelassener entgegen
sehen. Zehn Punkte aus vier Spielen - die Dezember-Bilanz des SVW kann sich
wahrlich sehen lassen!
Im Vergleich zum Auswärtsspiel in Köln agierte diesmal
wieder von Beginn an Lamine Cissé auf der rechten Außenbahn, weshalb der in
Köln starke Zhou Ning aufgrund der Ausländerregel auf der Bank Platz nehmen
musste. Für ihn spielte ,in seinem ersten Match von Beginn an, Selim Teber auf
der rechten Außenbahn im Mittelfeld. Der SV Waldhof agierte vom Anpfiff weg mit
viel Selbstvertrauen und nahm das Spiel sogleich in die Hand, derweil die Gäste
aus Mainz vornehmlich auf die Sicherung ihres Tores bedacht waren. So war es
dann auch der SVW, der bereits in der 6. Minute zur ersten guten Gelegenheit des
Spiels kam. Nach einem feinen Pass des wieder sehr kampfstarken Werner Protzel
in den Strafraum schiebt Ottó Vincze, der diesmal vor allen Dingen in der
ersten Halbzeit eine überragende Partie ablieferte und von seinen Gegenspielern
kaum zu stoppen war, den Ball an dem aus seinem Tor herausstürmenden Mainzer
Keeper Wache vorbei, der Ball läuft in Richtung leeres Tor, dort kann ein
Mainzer Spieler, von dem der Ball hoch nach vorne prallt, noch vor der Linie
klären und der anschließende artistische Seitfallzieher von Vincze geht nur
knapp am immer noch leeren Tor vorbei. Dies hätte bereits die Führung sein
müssen. Auch in der Folgezeit bestimmte der SV Waldhof das Spiel, kam jedoch
bis auf diverse Distanzschüsse zu keiner nennenswerten Chance mehr. Die Gäste
aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt kamen dann ungefähr ab der 15.
Minute zusehends besser ins Spiel und hatten durch den Ex-Waldhöfer Gustav
Policella, der einst den SVW verließ weil er beim damaligen Trainer Ulli
Stielike keine Chance mehr bekam, zu ihrer ersten und zugleich besten
Gelegenheit in dieser Halbzeit, die eigentlich ein einem Tor hätte resultieren
müssen. Nach einer Unachtsamkeit in der ansonsten sicheren Hintermannschaft des
SVW um den wie immer überzeugenden Vilmar Santos kommt Policella ungefähr 2
Meter vor dem Tor des SVW frei zum Schuss, schießt jedoch glücklicherweise den
bereits am Boden liegenden Marius Todericiu an, der so gerade noch zur Ecke
klären kann. Hiervon ließ sich der SV Waldhof, der weiterhin die klar
dominierende Mannschaft war, jedoch nicht beeindrucken, agierte weiter mutig
nach vorne und wurde in der 22. Minute dann endlich für die Mühen belohnt.
Nach einer Flanke von
Werner Protzel kommt der wieder mit großem Einsatz spielende Laszlo Klausz im
Strafraum an den Ball und versenkt das Leder per Flugkopfball, den er sozusagen
"über der Grasnarbe" trifft, zum vielumjubelten 1:0. Mainz wurde nun
mehr und mehr in der eigenen Hälfte "eingeschnürt" und hatte dem
Angriffswirbel des SV Waldhof in den folgenden Minuten bis auf diverse
unkontrollierte Befreiungsschläge nur wenig entgegenzusetzen. Nur drei Minuten
nach der Führung war es dann Ottó Vincze, der das 2:0 hätte erzielen müssen.
Nach hohen weiten Pass in den Strafraum, bei dem die Mainzer Abwehr
offensichtlich auf Abseits spekulierte, kommt Vincze an den Ball, hebt diesen
schön über den aus seinem Tor eilenden Wache hinweg, umkurvt den Keeper, will
den Ball in das nun leere Tor schieben und wird jedoch dann gerade noch vom
hinzugeeilten Mainzer Klopp, der zur Ecke klären kann, entscheidend behindert.
Die alte Fußballweisheit, wonach sich solche vergebenen Chancen im weiteren
Verlauf des Spieles irgendwann rächen werden, kam einem zu diesem Zeitpunkt
immer wieder in den Sinn. Auch in der Folgezeit bestimmte der SV Waldhof zwar
die Begegnung eindeutig, kam jedoch bis zur Halbzeitpause zu keiner
nennenswerten Torchance mehr. Ein Sonderlob in dieser Spielhälfte verdiente
sich, wie bereits angedeutet, Ottó Vincze, der nicht nur wie gewohnt
spielerische und technische Akzente setzte, sondern auch im läuferischen und
kämpferischen Bereich zu überzeugen wusste. Auch der junge Selim Teber fügte
sich bei seinem ersten Einsatz von Beginn an sofort gut ein und deutete mehrmals
an, daß man von ihm in der Zukunft noch einiges erwarten kann. Nicht umsonst
wurden sowohl er, als auch Christian Fickert und Hanno Balitsch, die ebenfalls
mit längerfristigen Profiverträgen ausgestattet sind, im Januar von
Bundestrainer Stielike zu einem Lehrgang der U-18-Nationalmannschaft eingeladen,
wobei der SV Waldhof dort die meisten Spieler stellt. Doch zurück zum Spiel. In
den letzten 10 Minuten ließ der Druck des SV Waldhof dann etwas nach und so
wurde die Begegnung etwas ausgeglichener, wobei jedoch auch die Gäste aus Mainz
zu keiner erwähnenswerten Gelegenheit mehr kamen. So ging es mit einer
hochverdienten und um mindestens ein Tor zu niedrigen Führung in die
Halbzeitpause.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit wandelte sich das Bild dann
zusehends. Mainz nahm das Tempo des SVW an und erhöhte mehr und mehr den Druck,
derweil sich der SV Waldhof anfänglich viel zu weit in die eigene Hälfte
zurückdrängen ließ und so dem Gegner weite Teile des Spielfeldes überließ.
So war es dann auch der FSV, der die ersten guten Gelegenheiten hatte. Nach
einer Flanke des eingewechselten Ex-Waldhöfers Robert Ratkowski in der 51.
Minute kommt wiederum Gustav Policella freistehend ca. 5 Meter vor dem Tor an
den Ball, kann diesem jedoch nicht unter Kontrolle bringen und bugsiert das
Leder so ins Toraus und nur wenige Minuten später verfehlt ein Schuss von
Dinmohammadi nur knapp das Tor. Dies schien den SV Waldhof endlich etwas
aufgerüttelt zu haben und so startete man seinerseits, zumeist über Konter,
die ersten konstruktiven Angriffe, wobei diese allerdings wieder einmal zumeist
viel zu überhastet und ungenau abgeschlossen wurden. Die Kräfte von Ottó
Vincze schienen nun immer mehr nachzulassen und so verlor der SVW, vor allen
Dingen im Mittelfeld, mehr und mehr den Faden, was zur Folge hatte, daß die
spielerische Linie zusehends verloren ging. So kam es dann, wie es kommen
musste. Nach einem Fehlpass im Mittelfeld des ansonsten wie immer kampfstarken
und ungemein agilen David Montero, startet Mainz einen Konter, der von Vilmar
Santos mit einem, wenn auch überflüssigem, Foul an der Strafraumgrenze des SVW
zunächst gestoppt wird und per nachfolgendem abgefälschtem Freistoß markierte
der Mainzer Peter Neustädter in der 59. Spielminute den zu diesem Zeitpunkt
nicht unverdienten Ausgleich. Gerade in einer Phase, in der man dann eigentlich
ob des auch nachfolgenden Mainzer Drucks um den SVW bangen musste, trat dann
jedoch wieder der wohl mit kopfballstärkste Stürmer der zweiten Liga in
Aktion. Nach einem Freistoß von Sascha Licht in der 64. Minute schraubt sich
Laszlo Klausz am höchsten, gewinnt so das Kopfballduell gegen gleich zwei
Gegenspieler und bugsiert das Leder mit seinem dritten (Kopfball)Treffer
innerhalb von vier Tagen zum 2:1 über die Linie. In den folgenden Minuten
entwickelte sich zusehends ein offener Schlagabtausch. Mainz verstärkte erneut,
vornehmlich über die linke Seite, den Druck und kam auch zu einigen
gefährlichen Szenen im und am Strafraum des SV Waldhof, die jedoch allesamt von
der gut agierenden Hintermannschaft zunichte gemacht, oder aber von Marius
Todericiu, der diesmal vor allen Dingen bei Abschlägen seine Probleme zu haben
schien, vereitelt wurden. Nicht zu überzeugen wusste nicht nur in dieser Phase
Lamine Cissé, der, wie schon beim Spiel in Offenbach, auf dem schwer zu
bespielenden Boden ein ums andere Mal von seinem Gegenspieler düpiert wurde.
Der SV Waldhof kam seinerseits zu einigen, zumindest in Ansätzen,
viel versprechenden Konterchancen, die jedoch allesamt nichts einbrachten. Fünf
Minuten vor dem Ende kam dann der FSV zu seiner bis dahin wohl größten Chance
zum erneuten Ausgleich, doch konnte Raphael Krauss einen Schuss aus kurzer
Distanz des eingewechselten Thurk gerade noch vor der Linie abblocken. Quasi mit
dem Abpfiff versäumte es dann der SV Waldhof, das Ergebnis noch höher zu
schrauben. Nach einer schönen Kopfballvorlage von Ottó Vincze kommt Werner
Protzel völlig ungehindert 5 Meter vor dem Tor an den Ball, köpft jedoch den
Mainzer Keeper an, der so klären konnte.
Ein enorm wichtiger Sieg für den SV Waldhof, der sich
damit zumindest etwas von den Abstiegsrängen absetzen konnte und so
einigermaßen beruhigt auf die nun folgende Rückrunde schauen kann. Dort gilt
es dann die zuletzt gezeigten guten Leistungen zu bestätigen und sich so
hoffentlich vorzeitig den Verbleib in dieser von diversen Experten sogenannten
"stärksten zweiten Liga aller Zeiten" zu sichern. Auch wenn, und dies
ist beim SV Waldhof ja so üblich, nun bestimmt wieder viele auf den dritten
Aufstiegsrang schauen und vom erneuten Aufstieg träumen, sollte alleine der
Klassenerhalt das vorrangige Ziel sein. Denn was Aufstiegsträume letztendlich
auch bringen können, und das scheint oftmals schon vergessen worden zu sein,
das hat der SV Waldhof vor 2 ½ Jahren mehr als schmerzlich erleben müssen.
Wolfgang Frank:
"Wir haben uns auf dieses Spiel sehr gut vorbereitet. Wir sind jetzt
seit zwei Tagen in Mannheim. Wir sind natürlich enttäuscht und es ist auch ein
wenig ärgerlich, daß wir hier nicht gewonnen haben, oder zumindest einen Punkt
mitgenommen haben. Ich glaube, wir haben etwas zaghaft begonnen und der SV
Waldhof hat mit einem hohen Rhythmus und hohem Tempo begonnen. Wir haben uns da
zu Beginn des Spiels zu wenig gewehrt. So kam es dann zu ein, zwei gefährlichen
Situationen. Wir haben eigentlich 20 Minuten eher verhalten gespielt und das war
sicher ein Problem. Wir haben uns dann im Verlauf des Spiels gesteigert. Vor
allem in der zweiten Halbzeit denke ich, haben wir wirklich gefightet und auch
die Chancen gehabt. Dann kam auch der Ausgleich und dann hatte auch eigentlich
auch das Gefühl, daß wir das Spiel noch gewinnen werden. Dann kam eben der
Freistoß und dann war natürlich alles wieder ein wenig schwieriger. Wir
mussten dann noch mehr aufmachen und noch mehr Risiko gehen. Im Verlauf des
Spiels war es einfach so, daß man die Risiken erhöhen musste. Dann kam es zu
einigen gefährlichen Kontern und wir hatten auch noch einige Möglichkeiten,
den Ausgleich zu erzielen. Insofern ist es ein wenig ärgerlich, daß wir das
Spiel verloren haben. Im großen und ganzen muss ich sagen, daß ich mit der
Mannschaft zufrieden war. Ich denke, wir haben über weite Strecken sehr gut
gespielt gegen einen Gegner, der sehr guten Fußball gespielt hat und sehr stark
war. Meine Mannschaft ist niedergeschlagen und ich glaube, es war mehr möglich.
Auf der anderen Seite sind wir auf einen Gegner getroffen, der mittlerweile auch
eine sehr hohe Qualität hat. Ich denke, wir werden die Niederlage verarbeiten
und müssen sie verarbeiten, da wir uns jetzt unmittelbar nach dem Spiel auf
Bayern München vorbereiten."
Uwe Rapolder:
"Wir haben in sieben Spielen 5 Punkte geholt und seitdem haben wir in
zehn Spielen 18 Punkte gemacht. Das ist eine ganz beachtliche Leistung. Das ist
ein klarer Aufwärtstrend und meine Mannschaft hat das heute auch bestätigt.
Wir sind jetzt die viertbeste Heimmannschaft in der Liga und hier kann man schon
mal verlieren. Wir haben heute in der ersten Halbzeit aus meiner Sicht das beste
Spiel gemacht, seit ich hier Trainer bin. Wir haben konsequent nach vorne
gespielt mit viel Selbstvertrauen. Wir haben uns vier, fünf klare Chancen
herausgespielt und trotzdem waren die Mainzer stets gefährlich. Ich meine
schon, dass das ein Topspiel war, für Zweitligaverhältnisse. Man ist als
Trainer natürlich immer sehr subjektiv, aber aus meiner Sicht hat es gut
ausgesehen. Wir waren in der ersten Halbzeit die klar dominierende Mannschaft
und hätten da mit einer höheren Führung in die Pause gehen müssen. In der
zweiten Hälfte war das Bild etwas gewandelt. Es war für uns natürlich auch
das dritte Spiel in sechs Tagen. Das war schon ein hartes Stück Arbeit. Die
Mannschaft hat dann in der zweiten Halbzeit auch ein wenig Tribut zollen
müssen. Die Mainzer sind immer stärker aufgekommen und machen dann das 1:1 und
da musste man wirklich kurz Angst haben, wobei ich mir sicher war, daß wir
heute gewinnen, weil sich im Fußball alles ausgleicht. Wir haben uns mit
unserer Arbeit heute den Sieg verdient. Für den Laszlo Klausz möchte ich
nochmals kurz eine Lanze brechen, nachdem ich daß schon einmal gemacht habe.
Laszlo Klausz ist der typische Mittelstürmer moderner Prägung, der als erster
das Pressing einleitet bei Ballverlust, der die Bälle unermüdlich hält, der
ballsicher ist mit dem Rücken zum Tor, der der Mannschaft Gelegenheit gibt
nachzurücken. Er ist ein ganz wichtiger Spieler und manchmal ist es schon so,
daß die Leute außenrum die Geheimnisse des modernen Fußballs halt noch nicht
so begriffen haben. Ich hoffe, daß Laszlo Klausz einmal die Anerkennung
bekommt, die ihm gebührt. Er war heute der Matchwinner für uns, das ist ganz
klar, ohne daß ich die anderen Spieler schmälern will. Wir haben heute die
Aufwärtstendenz bewiesen gegen einen starken Gegner. In einem sehr
hochklassigen Spiel für Zweitligaverhältnisse haben wir am Schluss den
längeren Atem gehabt und haben gewonnen. Wir haben im Dezember 10 Punkte
gemacht, das war in guter Monat. Ich hoffe, daß wir in der Rückrunde diesen
Aufwärtstrend bestätigen. Ich hoffe auch, daß wir im ersten Rückrundenspiel
gegen Nürnberg mehr Zuschauer haben als heute."
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