Ein Punkt gewonnen oder zwei Punkte verloren? Diese Frage wird sich
sicherlich so mancher Zuschauer nach diesem zumindest am Ende dramatischen Spiel
gestellt haben. Im Endeffekt muss man jedoch sicherlich von einer gerechten
Punkteteilung ausgehen.
Durch die Verletzung von Vilmos Sebök, die Gelb-Sperre von David Montero,
sowie den verletzungsbedingten Ausfall von Zhou Ning musste Uwe Rapolder Im
Vergleich zum Spiel in Chemnitz das Team notgedrungen auf mehreren Positionen
ändern. Mounir Boukadida und Vilmar Santos agierten in der Innenverteidigung,
derweil Dariusz Pasieka wieder seinen gewohnten Platz im defensiven Mittelfeld
einnahm. Fatmir Vata rückte für Zhou Ning auf die rechte Außenbahn.
Die Gäste aus der Expo-Stadt, die mit Andrzej Kobylanski einen Ex-Waldhöfer
in ihren Reihen hatten, agierten leider von Beginn an so, wie es auch Uwe
Rapolder bereits vor dem Spiel erwartet hatte. Tief in der eigenen Hälfte
gestaffelt erwartete Hannover, bei dem erstmals Horst Ehrmantraut als Trainer
auf der Bank Platz nahm, die Angriffe des SV Waldhof, der sich anfangs schwer
tat, ins Spiel und in seinen gewohnten Rhythmus zu finden. In den ersten 30
Minuten agierte der SVW zwar weitgehend feldüberlegen, jedoch fehlte es in den
Aktionen im Spiel nach vorne zumeist am nötigen Druck. Wieder einmal zeigte
sich zudem, wie sehr doch das Spiel der Blau-Schwarzen an die Form von Ottó
Vincze geknüpft zu sein scheint. Nach seinem klasse Auftritt gegen den 1. FC
Nürnberg wirkte der Ungar, ebenso wie sein Landsmann Laszlo Klausz, nach dem
Länderspieleinsatz am vergangenen Mittwoch gegen Australien teilweise im
wahrsten Sinne des Wortes "platt" und ausgelaugt. Bezeichnenderweise
unterliefen gerade ihm als technisch versiertem Spieler zahlreiche Stockfehler
und auch die Durchsetzungsfähigkeit in den Zweikämpfen ließ diesmal einiges
zu wünschen übrig. Zurück zum Spiel. Der SV Waldhof blieb optisch überlegen,
derweil Hannover sein Glück in gelegentlichen Kontern suchte, die jedoch
allesamt, auch aufgrund der zu diesem Zeitpunkt noch gut agierenden
Hintermannschaft um Vilmar Santos, weitgehend wirkungslos blieben. Die wohl
beste Chance in dieser Halbzeit hatte wohl Sascha Licht, der freistehend mit
einem Schuss aus ca. 16 Metern am toll parierenden Hannoveraner
"Urgestein" Jörg Sievers scheiterte. Dies hätte einfach die zu
diesem Zeitpunkt so wichtige Führung sein müssen. Apropos Sascha Licht. Will
er seinen Platz in der ersten Elf künftig behaupten, so muss er auch endlich
einmal die sich ihm bietenden Chancen nutzen. Einen Elfmeter wie in Chemnitz zu
verschießen kann sicherlich jedem Spieler passieren, doch gerade aus seiner
erfolgreichen
Zeit beim SC Weismain, wo er seine etlichen Treffer zumeist mit Freistößen und
Distanzschüssen erzielte, lässt sich ersehen, daß er viel mehr zu leisten
vermag, als er derzeit zeigt. Vielleicht benötigt er jedoch nach seiner
schweren Verletzung aus der letzten Saison einfach auch noch Zeit, um wieder
seine absolute Topform zu erlangen. Mitten in eine mehr oder weniger
Drangperiode des SVW fiel dann völlig überraschend in der 36. Minute das 0:1.
Nach einem Stellungsfehler von Raphael Krauss, der diesmal eine schwache
Leistung bot, kommt der Hannoveraner Kreuz im Strafraum an den Ball und schiebt
das Leder aus 8 Metern nahezu unbedrängt an Marius Todericiu vorbei ins Tor.
Der SV Waldhof agierte nun in der Folgezeit sichtlich nervös und nur 7 Minuten
später konnte dann Marius Todericiu seinen etlichen Fehlern in dieser Saison
einen weiteren gravierenden hinzufügen. Nach einem weiten harmlosen Ball in die
Hälfte des SVW sprintet Todericiu aus dem Tor um zu klären, doch anstatt den
Ball weit nach vorne oder zumindest auf die Haupttribüne zu dreschen, schießt
er den einige Meter entfernt stehenden Hannoveraner Altin Lala an, von diesem
kommt der Ball zu Stefan Blank und jener schießt ihn aus ca. 35 Metern in das
nun leere Tor! Wäre dies nun der erste gravierende Fehler von Todericiu in
dieser Saison gewesen, niemand hätte es ihm allzu sehr übel genommen. Einfach
viel zu oft leistet er sich jedoch
solche groben Patzer, die dann prompt zu Gegentoren führen, so daß man von
einem sicheren Rückhalt im Tor derzeit nicht mehr sprechen kann. Durch ähnlich
schwache Leistungen hat sich seinerzeit Stephan Straub in der letzten Saison
quasi selbst aus dem und Marius Todericiu in dasselbe bugsiert. Nach diesem
neuerlichen Fauxpas könnte es nun bereits beim kommenden Spiel in Karlsruhe
genau umgekehrt kommen. Gerade auf der Position zwischen den Pfosten besteht
für die kommende Saison jedoch absoluter Handlungsbedarf. Was nützt einem eine
hervorragende Abwehr, wenn dahinter ein Torwart steht, der einfach nicht
konstant gute Leistungen zu zeigen vermag.
Die zweite Halbzeit begann der SVW dann zwar deutlich engagierter, klare
Chancen waren jedoch weiterhin Mangelware. Hannover zog sich nun
verständlicherweise noch weiter zurück, derweil der SV Waldhof mit seinen
Angriffsbemühungen immer wieder im engmaschigen Abwehrnetz hängenblieb oder
sich selbst durch etliche Fehlpässe, vor allen Dingen im Mittelfeld, das Leben
quasi selbst schwer machte. Nicht nur diese Phase, sondern auch bereits die
erste Halbzeit machte mehr als deutlich, zu welch wichtigen Bestandteil der
Mannschaft der diesmal leider gesperrte David Montero mittlerweile geworden ist.
Gerade sein Einsatzwillen und seine Laufbereitschaft wurden mehr als deutlich
vermisst und vielleicht hätte auch Ottó Vincze etwas mehr geglänzt, hätte
Montero mitwirken können. Doch zurück zum Spiel. Der SV Waldhof zeigte sich
zwar weiterhin bemüht, brachte jedoch bis auf diverse Distanzschüsse wenig im
Spiel nach vorne zustande. Dies
sollte sich jedoch in der 62. Minute ändern. Fatmir Vata, der nach den
Einwechslungen von Rüdiger Rehm und Selim Teber in den Sturm gerückt war,
versenkt einen Freistoß aus 17 Metern unhaltbar für den Hannoveraner Keeper im
rechten oberen Eck und plötzlich schien der SVW wieder zu jenem Spiel zu
finden, mit dem man vor der Begegnung in sechs aufeinander folgenden Partien
unbesiegt geblieben war. Endlich zeigte man nun auch mehr und mehr
kämpferischen Einsatz und dieser wurde bereits 8 Minuten später belohnt. Selim
Teber, der nach seiner Einwechslung eine hervorragende Partie zeigte, erkämpft
sich nach einem Hannoveraner Angriff im Mittelfeld den Ball, leitet diesen
weiter zu Laszlo Klausz, der seinerseits Fatmir Vata in Szene setzt, dieser
läuft alleine auf das Tor zu und spitzelt den Ball am Keeper vorbei zum
verdienten Ausgleich in die Maschen. Auch in der Folgezeit hielt der SVW den
Druck zunächst aufrecht und hätte man in dieser Phase im Abschluss nur etwas
konzentrierter agiert, es hätte durchaus sogar noch zum Sieg reichen können.
So kam es jedoch nur noch zu einer echten und erwähnenswerten Chance durch
Ottó Vincze, dessen toller Schuss aus ca. 25 Meter jedoch vom Schlussmann zur
Ecke geklärt werden konnte. Hannover wurde nun notgedrungen etwas offensiver
und kam seinerseits zu einigen gefährlichen Aktionen im und am Strafraum des
SVW, die jedoch allesamt glücklicherweise ungenutzt blieben.
Im Endeffekt eine verdientes Unentschieden. Hätte Marius Todericiu nicht
wieder einmal so entscheidend gepatzt, es wäre vielleicht sogar noch mehr drin
gewesen. Ein 0:1 ist nun einmal leichter aufzuholen als ein 0:2-Rückstand zur
Pause! Im Hinblick auf das nun folgende Auswärtsspiel beim gegen den Abstieg
kämpfenden Karlsruher SC bleibt zu hoffen, daß der SV Waldhof an die in der 2.
Halbzeit phasenweise guten Leistungen anknüpfen und so zumindest einen Punkt
aus dem Wildparkstadion entführen kann. Aufgrund der derzeitigen
Tabellensituation fährt man nun sogar als Favorit ins Badenerland. Wer hätte
dies vor der Saison für möglich gehalten?