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Kaum zu glauben, aber wahr. Auch der vor dem Spiel hoch
gehandelte Aufstiegsanwärter aus Mönchengladbach, der zuvor in immerhin 19 (!)
Partien in Folge ungeschlagen blieb, musste nach am Ende hochdramatischen 90
Minuten die Segel streichen, konnte, wie schon zuvor die Topteams aus Nürnberg,
Cottbus, Köln und Bochum, die "Festung" Carl-Benz-Stadion nicht
knacken. Der SV Waldhof ist sicherlich, leider nur was die Heimspiele anbelangt,
der Favoritenschreck in dieser Saison der 2. Bundesliga.
Zum Spiel: Nach der Flut von Gegentoren in den letzten
Spielen agierte diesmal endlich wieder von Beginn an Vilmar Santos auf seinem
angestammten Platz in der Innenverteidigung. Für den verletzt fehlenden Mounir
Boukadida nahm den Platz neben ihm Dariusz Pasieka ein, derweil Vilmos Sebök
nur auf der Bank Platz nehmen durfte. Ein weiteres Indiz dafür, dass der Ungar
in der kommenden Saison sicherlich nicht mehr das blau-schwarze Trikot
überstreifen wird. Das Spiel, bei dem 19.000 Zuschauer (Saisonrekord) eine
prächtige Kulisse bildeten, begann dann leider sogleich mit einem Eklat.
Schiedsrichter Anklam, der bereits in den wenigen Minuten zuvor durch einige
zweifelhafte Entscheidungen auf sich aufmerksam machte, entschied in der 6.
Minute nach einem
eher harmlosen Zweikampf zwischen Zhou Ning und dem Gladbacher Ketelaer auf
Freistoß für die Gäste, was von Uwe Rapolder offensichtlich gegenüber dem
Linienrichter entsprechend kommentiert wurde. Dies wiederum veranlasste Herrn
Anklam, Rapolder auf die Tribüne zu verweisen, was dieser jedoch nicht
hinnehmen wollte und hiergegen heftig protestierte. Erst der hinzugeeilte Dieter
Dollmann schaffte es dann mit einiger Mühe, ihn zum verlassen des Platzes zu
bewegen. Gerade in einem für beide Seiten so wichtigen Spiel, hätte man sich
einen Schiedsrichter gewünscht, der auch nur den Ansatz von
Fingerspitzengefühl besitzt und nicht durch solche "Aktionen"
unnötig Unruhe und Hektik in eine Partie bringt. Das ein Trainer nach gerade
mal gespielten 6 Minuten auf die Tribüne geschickt wird, habe ich persönlich
in all den Jahren noch bei keinem Spiel erlebt. Vielleicht sollte der DFB
künftig bei solchen Spielen die Schiedsrichteransetzungen einmal etwas genauer
überdenken.
Nachdem sich die Gemüter dann wieder etwas beruhigt
hatten, kam zunächst Gladbach, wie erwartet vorwiegend über die beiden
Außenbahnen, besser ins Spiel, ohne jedoch zu nennenswerten Torchancen zu
kommen. Auffallend beim SV Waldhof im Vergleich zu den letzten Spielen war vor
allen Dingen, dass die Innenverteidigung, durch die Hereinnahme des bereits
erwähnten Vilmar Santos, endlich wieder sicher agierte und viele gegnerische
Angriffe bereits im Entstehen zunichte machte. Angesichts der souveränen
Vorstellung des Brasilianers sollte es sich Uwe Rapolder besser zweimal
überlegen, ob er ihn wirklich am Ende der Saison ziehen lässt, bzw. auf eine
weitere Zusammenarbeit verzichtet. Einen Nachfolger mit ähnlichen Qualitäten
zu verpflichten, dürfte das Transferbudget des SVW mit Sicherheit übersteigen!
Zurück zum Spiel: Nach ca. 15 Minuten kam der
SV Waldhof zusehends besser ins Spiel und startete seinerseits die ersten
konstruktiven Angriffe in Richtung Gladbacher Tor. Die wohl beste Gelegenheit in
dieser Halbzeit in Führung zu gehen, ergab sich dann in der 18. Minute durch
den wieder einmal ungemein agilen und quirligen Fatmir Vata, der nach einem
Doppelpass mit Sascha Licht mit einem Schuss aus ca. 8 Metern jedoch am Pfosten
scheiterte. Im direkten Gegenzug traf dann der Gladbacher Ketelaer mit einem
fulminanten Schuss aus ca. 16 Metern glücklicherweise nur die Latte. Bis auf
einen Flachschuss von Lamine Cissé, der vom Gladbacher Keeper Uwe Kamps
entschärft wurde, hatte diese Halbzeit dann jedoch leider keine Höhepunkte
mehr zu bieten. Das Spiel beider Mannschaften verlagerte sich nun zusehends ins
Mittelfeld und wurde von etlichen Fehlpässen auf beiden Seiten geprägt. Kam
dann eines der beiden Teams einmal in die Nähe des gegnerischen Tores, so war
spätestens an der Strafraumgrenze Endstation, was vor allen Dingen an den gut
postierten Abwehrreihen auf beiden Seiten lag. So ging es letztendlich mit einem
leistungsgerechten Unentschieden in die Halbzeitpause.
Auch zu Beginn der zweiten Spielhälfte war es zunächst
Mönchengladbach, das die Initiative übernahm und den SV Waldhof, vor allem
über die Außenbahnen immer wieder unter Druck setzte. Hauptsächlich Bernd
Korzynietz, der von Rüdiger Rehm, dem wohl schlechtesten Spieler an diesem Tag
in Reihen der Blau-Schwarzen, oftmals nicht zu halten war, sorgte mit seinen
Flügelläufen immer wieder für Gefahr. So kam es dann, wie es kommen musste.
Nachdem Rehm wieder einmal von besagtem Korzynietz überlaufen wurde, gibt
dieser den Ball in die Mitte vor den Strafraum des SVW zu seinem
Teamkollegen Igor Demo und der trifft mit einem eher harmlosen Schuss mit dem
Innenrist aus ca. 16 Metern zum 0:1. Leider kann man hier Marius Todericiu, der
wie man so schön sagt "wie eine Bahnschranke fiel" nicht von einer
gewissen Mitschuld freisprechen. So einen Ball muss ein Zweitliga-Keeper einfach
halten! Aber sei es drum. Man sollte zwar keine Vorschußlorbeeren aussprechen,
doch in der nächsten Saison wird mit Achim Hollerieth, der vor zwei Jahren zum
besten Torwart der zweiten Liga gewählt wurde, ein Keeper im Tor des SV Waldhof
stehen, der auch einmal in der Lage sein wird, ein Spiel durch seine Aktionen zu
gewinnen!
Der SV Waldhof zeigte sich von diesem Rückstand
keineswegs geschockt, agierte nun zusehends mutiger und besser nach vorne und
kam nur 5 Minuten später zum verdienten Ausgleich durch einen von Ottó Vincze
verwandelten Handelfmeter. Zuvor hatte der Gladbacher Brasilianer Marcelo
Pletsch seine Qualitäten als Handballer bewiesen und nach einer Ecke von der
rechten Seite den Ball vor dem hochsteigenden Laszlo Klausz, der kurz zuvor
bereits mit einem Kopfball an Uwe Kamps gescheitert war, "geklärt".
Die Qualität des Spiels nahm nun merklich zu und es entwickelte sich in den
folgenden Minuten ein regelrechter Schlagabtausch beider Teams, von denen sich
glücklicherweise keines mit einem
Unentschieden zufrieden geben wollte. Weiterhin standen jedoch beide
Abwehrreichen sicher, so dass es zu keinen nennenswerten Torchancen kam. Dann
hatte jedoch in der 76. Minute mit Max Eberl ein weiterer Handballer in Reihen
der Borussia seinen Auftritt. Nach einer Hereingabe von der rechten Seite klärt
er im Strafraum vor Fatmir Vata eindeutig mit der Hand, was zwar wiederum
Elfmeter für den SV Waldhof bedeutete, jedoch nicht einmal mit einer gelben
Karte geahndet wurde! Wiederum Ottó Vincze verwandelte, wie bereits den ersten
Strafstoß, sicher mit einem plazierten Schuss ins linke untere Eck. Bis zum Schlusspfiff
entwickelte sich dann, vor allen Dingen nach der gelb-roten Karte für Rüdiger
Rehm, der sicherlich schon vorher hätte ausgewechselt werden müssen, ein
hochdramatisches Spiel. Gladbach warf zwar nun alles nach vorne, kam jedoch
nicht zu einer Torchance. Anders der SV Waldhof, der durch Zhou Ning kurz vor
Schluss beinahe noch auf 3:1 erhöht hätte, hätte nicht Uwe Kamps mit einer
Glanzparade den Ball gerade noch zur Ecke geklärt.
Alle 5 Top-Mannschaften hat der SV Waldhof nun im eigenen
Stadion in dieser Saison besiegt. Warum man jedoch nicht auch einmal auswärts
zu solchen Glanzleistungen fähig ist, bleibt offenbar ein Rätsel. Wo könnte
der SVW stehen, wenn anstatt dem einen mickrigen Auswärtssieg nur einer oder
zwei mehr zu Buche stünden! Nun folgt der schwere Gang zum nächsten
Auswärtsspiel nach Cottbus. Vielleicht kann das Team, nun im Wissen um den
quasi sicheren Klassenerhalt, dort endlich auch einmal auswärts befreit
aufspielen und die im C-B-S gezeigten guten Leistungen bestätigen.
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