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Es hat nun mal nicht sollen sein. Trotz eines über weite Strecken des Spiels
starken und beeindruckenden Auftritts verliert der SV Waldhof im völlig
überfüllten Carl-Benz-Stadion gegen den deutschen Rekord-Meister mit 3:0.
Dieses auf den ersten Blick klare Ergebnis spiegelt jedoch nicht den Verlauf des
Spieles über die gesamten 90 Minuten wieder, in denen die Mannen von Uwe
Rapolder den großen Favoriten einige Male gewaltig in Verlegenheit bringen
konnten.

Die erste Aufregung gab es bereits vor dem Anpfiff.
Etlichen Zuschauern wurde der Zugang vor allen Dingen zu den Stehplatzbereichen
versperrt, da dort die Fans teilweise bis zu den Aufgängen dicht gedrängt
standen und so waren es nicht wenige, die in der Geschäftsstelle ihr
Eintrittsgeld zurückverlangten oder teilweise verärgert wieder abzogen.
Abgesehen davon, dass in den Stehplatzbereichen die Aufgänge, auch in den
Blocks, nicht freigehalten wurden und es so bei einer eventuellen Panik zu
schlimmen Folgen hätte kommen können, nahmen viele Fans sogar auch noch
teilweise die Stützpfeiler an den Aufgängen "in Beschlag", um so
zumindest teilweise die Sicht auf das Spielfeld zu erhalten. So drängte sich
einem der Eindruck förmlich auf, dass von Seiten des SV Waldhof im allgemeinen
Chaos des Vorverkaufs einfach zu viele Karten verkauft wurden!

Zum Spiel: Im Vergleich zur Auswärtsniederlage in
Mönchengladbach änderte Uwe Rapolder das Team auf drei Positionen. Der
wiedergenesene Mounir Boukadida und Vilmar Santos, der am Sonntag noch
gelb-gesperrt zuschauen musste, agierten in der Innenverteidigung und für den
zuletzt wenig überzeugenden Ronny Ernst spielte Werner Protzel auf der linken
Außenbahn. Der SV Waldhof ließ erfreulicherweise von Beginn an jeglichen
Respekt vor den großen Namen in den Reihen des Gegners vermissen und agierte
mutig und offensiv, derweil der FC Bayern anfangs eher abwartend agierte und
doch etwas Mühe hatte, ins Spiel zu finden. So entwickelte sich in den ersten
Minuten eine ausgeglichene
Partie, in der keine der beiden Mannschaften zu nennenswerten Torchancen kam.
Überraschenderweise war es dann der SV Waldhof, der in der 19. Minute zur
ersten großen Gelegenheit kam. Nach einem feinem Pass des immens kampfstarken
und agilen David Montero, der sich mit Bayern-Kapitän Stefan Effenberg tolle
Zweikämpfe lieferte, kommt Sascha Licht in halbrechter Position aus ca. 10
Metern frei zum Schuss, zielt schön in die lange Ecke, Oliver Kahn kann den
Ball mit einer tollen Parade zur Mitte klären und dort verfehlt Laszlo Klausz
das Leder nur knapp. In der Folgezeit kam dann der FC Bayern stärker auf und
hatte vor allen Dingen durch den schnellen Alexander Zickler, sowie Paraguays
"Wunderstürmer" Roque Santa Cruz einige gute Möglichkeiten, die
jedoch zumeist leichtfertig vergeben, oder durch die gut agierende
Hintermannschaft des SVW um den überragenden Vilmar Santos zunichte gemacht
wurden. Doch nicht nur besagtem Santos muss man ein Lob aussprechen. Auch Mounir
Boukadida, von vielen schon als Fehleinkauf abgestempelt, schickt sich durch
seine Auftritte in den letzten Spielen immer mehr an, die Rolle des
unvergessenen Marcio Borges mehr und mehr
auszufüllen und zu einem wichtigen Bestandteil in der Abwehr des SV Waldhof zu
werden. Der SV Waldhof hielt weiterhin dagegen und kam seinerseits, zumeist
über den endlich wieder einmal brillant aufspielenden Ottó Vincze, zu einigen
guten Szenen, die jedoch nicht zu klaren Chancen führten. So war es dann dem
Bundesliga-Spitzenreiter belassen, erwartungsgemäß den ersten Treffer zu
erzielen. In der 36. Minute kommt Jens Jeremies aus ca. 18 Metern an den Ball
und zirkelt diesen, für Marius Todericiu unhaltbar, zur alles in allem
verdienten Führung in den Winkel. Auch in der Folgezeit zeigte sich der SV
Waldhof bemüht, kam auch zu einigen schönen Kombinationen, doch ergaben sich
keine nennenswerten Torchancen mehr.

Von Beginn der zweiten Halbzeit an verstärkte der SV
Waldhof, immer wieder angetrieben von Otto´ Vincze und Vilmar Santos, nun
wieder den Druck, versuchte so dem Spiel doch noch eine Wende zu geben und kam
in der 53. Minute zur ersten guten Möglichkeit durch den stark aufspielenden
Werner Protzel, dessen Schuss aus ca. 20 Metern nur knapp am Tor vorbeistrich.
Die Bayern agierten nun zunehmend abwartender und lauerten auf Konter, um die
Begegnung so frühzeitig entscheiden zu können. Zu nennenswerten Torchancen
kamen sie jedoch nicht. Überragend in dieser Phase war das defensive
Mittelfeld des SV Waldhof mit David Montero und Dariusz Pasieka, dem jedoch, wie
auch in der Liga, in einigen Laufduellen die fehlende Schnelligkeit mehr als
deutlich anzumerken war. Was jedoch den kämpferischen Einsatz anbelangt, so ist
er nach wie vor in der Mannschaft ein Vorbild für jeden Spieler. Zurück zum
Spiel. Der SV Waldhof kam nun immer stärker auf und hatte dann in der 61.
Minute die große Gelegenheit zum Ausgleich. Nach einem Doppelpass von Werner
Protzel mit Laszlo Klausz, der leider von den Außenbahnen mit Flanken nur
mangelhaft unterstützt wurde, taucht Protzel völlig frei vor Oliver Kahn auf,
dieser reagiert jedoch mit einem tollen Reflex und kann so den Ball zur Ecke
lenken. Wie auch schon desöfteren in der Liga, so wurde auch in diesem Spiel
dass derzeit wohl größte Manko des SV Waldhof eindeutig erkennbar, nämlich
die mehr als mangelhafte Chancenauswertung. Zu vielleicht der
Schlüsselszene des Spiels kam es aber dann in der 69. Minute. Nach einem
Angriff des SV Waldhof startet der FC Bayern über Paulo Sergio einen Konter,
Rüdiger Rehm, zuvor schon mit der gelben Karte verwarnt, bringt ihn in der
Nähe des
Mittelkreises zu Fall und kassiert dafür folgerichtig die gelb-rote Karte, die
im Nachhinein nicht nur von Uwe Rapolder und Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld als
zu hart angesehen wurde. Von nun an war ein deutlicher Bruch im Spiel des SVW zu
erkennen, der FC Bayern kam wieder stärker auf und in der 80. Minute durch
einen Kopfball von Alexander Zickler aus ca. 10 Metern zum 2:0, dass die
Begegnung endgültig zugunsten der Gäste von der Isar entschied. Beim SV
Waldhof war nun zwar deutlich eine gewisse Müdigkeit zu erkennen, jedoch gab
sich die Mannschaft nie auf und versuchte weiterhin, wenn auch ohne Erfolg, die
Bayern, die nun sehr clever und abgeklärt agierten, unter Druck zu setzen. Der
Rest ist daher schnell erzählt. In der 84. Minute kam der FC Bayern durch einen
mehr als fragwürdigen Elfmeter (Vilmar Santos soll nach Meinung des
Schiedsrichters seinen Landsmann Paulo Sergio umgerissen haben) zum 3:0 und
hätte in der Folgezeit sogar noch auf 4:0 erhöhen können. Dies wäre jedoch
dann wirklich des Guten ein wenig zu viel gewesen.

Kompliment an die Mannschaft des SV Waldhof, die sich
gegen den großen Favoriten mehr als gut verkauft hat, jedoch in der
Endabrechnung vielleicht um ein Tor zu hoch geschlagen geben musste. Wäre der
Feldverweis nicht geschehen, es wäre eventuell sogar noch ein wenig mehr drin
gewesen. Nun gilt es, die gezeigte Leistung annähernd bis zum nächsten
schweren Heimspiel gegen den Tabellenzweiten Energie Cottbus zu konservieren, um
dort die so bitter benötigten drei Punkte im Kampf gegen den Abstieg
einzufahren.

Ottmar Hitzfeld:
"Wir haben heute gegen eine sehr gut organisierte Mannschaft gespielt.
Uwe Rapolder hat hier sehr gute Arbeit geleistet in den letzten Jahren und wir
haben auch einige Mühe gehabt, ins Spiel zu kommen. Meine Mannschaft war heute
sehr konzentriert und wir haben auch den Ball sehr gut laufen lassen und
versucht, das Spiel schnell zu machen und mit Steilzuspielen in die Spitze das
eine oder andere Loch aufzureißen. Das ist uns auch einige Male gelungen.
Alexander Zickler konnte seine Schnelligkeit ausspielen. Roque Santa Cruz hat
auch ein gutes Spiel gemacht, wie auch Paulo Sergio. Diese drei Stürmer haben
heute einiges dazu beigetragen, dass wir Torgefährlichkeit ausstrahlen konnten,
was uns im letzten Spiel gegen 1860 München nicht gelang. Wir haben dann auch
eine der Chancen zum 1:0 ausnutzen können. Jens Jeremies, der heute im
defensiven Mittelfeld ein gutes Spiel gemacht hat, hat überlegt eingeschossen.
Ein paar Möglichkeiten haben wir leider nicht verwerten können. Alexander
Zickler hätte ein wenig mehr herausholen können aus seinen Möglichkeiten. Er
ist sehr schnell, er kommt immer wieder zu Chancen. Was ihm fehlt, ist noch die
Kaltblütigkeit vor dem Tor. Ich freue mich für ihn, dass ihm dann doch noch
ein Tor gelungen ist mit dem Kopfballtreffer zum 2:0. Ansonsten glaube ich, dass
wir auch das Glück hatten, dass wir nicht in Rückstand geraten sind. In der
ersten Halbzeit hatte Waldhof Mannheim auch eine hundertprozentige Torchance.
Oliver Kahn hat jedoch sehr gut gestanden, hat lange gewartet, die Ruhe bewahrt
und hat dann auch sehr gut gehalten. Ich glaube das 1:0 war verdient in der
ersten Halbzeit aufgrund der größeren Spielanteile und der größeren Chancen.
In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel kontrolliert und auch wieder
versucht, Ball und Gegner laufen zu lassen. Mit dem Platzverweis, der etwas hart
war, hatten wir den Vorteil ein personelles Übergewicht zu haben und Waldhof
wurde auch etwas müde und somit waren die nächsten Tore dann auch eine Folge
dessen, dass Waldhof sehr viel Kraft verloren hat und wir einen Spieler mehr
hatten, dass war ein riesiger Vorteil für uns. Die Zuschauer haben ein gutes
Spiel gesehen. Für uns war wichtig, dass nicht zuviel Stimmung aufkommt in
diesem Stadion, denn wenn hier einmal das Publikum explodiert, dann gibt es
einen Hexenkessel und dann kann vieles passieren, dann werden Emotionen
freigesetzt. Wir haben es dann eigentlich auch geschafft, dass wir unser Spiel
beruhigen konnten und somit auch die nächste Runde erreicht haben, was für uns
sehr wichtig ist."
Uwe Rapolder:
"Wir hatten natürlich heute gehofft, dass wir nach der großen
Überraschung gegen Leverkusen heute die Sensation würden schaffen können. Das
ist uns nicht gelungen, deshalb sind wir jetzt etwas enttäuscht. Ottmar
Hitzfeld hat richtig gesagt, man muss bescheiden bleiben, trotzdem muss man
natürlich immer versuchen zu gewinnen, dass haben wir heute sicherlich getan
und ich trauere wirklich den Chancen von Sascha Licht in der ersten Halbzeit
nach. Der einen in der 19. Minute, dann stand er später noch einmal frei vor
dem Tor, hat jedoch zu lange gezögert und dann natürlich die Chance von Werner
Protzel, wo Oliver Kahn hervorragend rettet. Das waren zwei Schlüsselszenen,
die die Stimmung im Stadion hätten ändern können. Es war doch
verhältnismäßig ruhig geblieben heute. Wenn wir einen Treffer gemacht
hätten, hätte das Spiel kippen können. Gleichwohl weiß ich dass die Bayern
dann jederzeit in der Lage sind, noch mal dagegen zu halten. So war dann der
Platzverweis sicherlich die Schlüsselszene. Man kann die Entscheidung so
treffen, muss sie aber nicht so treffen. Mit zehn Mann hatten wir dann keine
Chance mehr. Da sind die Bayern einfach zu abgeklärt und zu stark. Sie lassen
dann souverän Gegner und Ball laufen und haben uns dann müde gespielt. Meine
Jungs haben trotzdem noch versucht, vorne zu pressen, es ging aber nichts mehr
und so sind dann die Tore zwei und drei eigentlich logisch gefallen. Bei dem
Elfmeter hatte ich allerdings ein Handspiel von Markus Babbel gesehen. Aber das
ist jetzt eigentlich auch egal. Im Pokal zählt nur die Qualifikation. Ob man
nun 2 oder 3 zu null verliert ist dann eigentlich auch egal. Wir haben uns gut
verkauft. Ich kann den Bayern nur gratulieren. Für die Bayern ist es sicherlich
nicht einfach, zwischen den großen Aufgaben hierher in die Fußballprovinz zu
kommen. Wir sind eine Zweitligamannschaft und da muss eine Mannschaft wie Bayern
sich natürlich motivieren, dass haben sie heute gut gemacht. Wir können uns
jetzt auf die Meisterschaft konzentrieren, dass wird auch bitter nötig sein. Am
Samstag kommt mit Cottbus der Tabellenzweite und da müssen wir schon eine sehr
starke Leistung bringen, wenn wir gewinnen wollen. Da müssen wir den Dreier
machen und ich hoffe, dass wir dann ein wenig mehr Glück haben als heute."
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